Nur für Männer: Der Herrenweinabend

Der Neustadter Festkalender beginnt mit einer echten Kuriosität: Beim so genannten Herrenweinabend haben nur Männer Zutritt  – und das seit 122 Jahren! So weit reicht die Tradition dieses Dinosauriers unter den Festen, das dennoch auch bei den jungen Herren sehr beliebt ist. Wo kann man sich sonst so schnell so gründlich besaufen? Natürlich geht es bei dem Herrenweinabend nicht in erster Linie ums Trinken, wie die Veranstalter treuherzig versichern. Es gibt ein volles Programm, bei dem sich Überraschungen – dieses Jahr waren es Chako Habekost und Artisten des Zirkus Weishaupt – und Gassenhauer abwechseln. Die Lewwerwurst-Scharade, bei der Neustadter Ereignisse und Persönlichkeiten durch den Kakao gezogen werden und das Publikum den Refrain mitgrölt, gehört dazu. Wenn die Riesling-Prinzen ihren Auftritt haben und Pfälzer Hymnen zum Mitsingen darbieten, kocht die Stimmung.

Wie es dabei zugeht, kann frau erahnen, wenn sie den der Eintrittskarte beiliegenden Benimmzettel durchliest: „Nicht auf die Tische steigen – Unfallgefahr“. Man kann davon ausgehen, dass die Herren es gerade noch schaffen, auf die Stühle zu klettern. Weitere aufschlussreiche Punkte: Es wird um festliche Kleidung gebeten, Speisen sollen nur in überschaubaren Mengen mitgebracht werden. Und so kommt es, dass sich kurz vor Beginn des Abends festlich in schwarzen Anzug gewandete Männer jeden Alters vor dem Saalbau sammeln, in der Hand einen Stoffbeutel gefüllt mit Wurst und Brot und anderen Grundlagen für den Herrenwein. Ein lohnender Anblick!

Der Wein, der an diesem Abend fließt, ist natürlich nicht irgendein Wein. Einige Wochen vorher wird der Herrenwein bei einer Blindverkostung ausgewählt. Für die Weingüter ein lukratives Unterfangen, gingen in diesem Jahr doch rund 1500 Liter weg! Es kamen übrigens 1068 Gäste – wer will, kann sich den Pro-Kopf-Verbrauch ausrechne….

Übrigens sind die Neustadter Herren vor jedem Verdacht im Zuge der #MeToo-Debatte gefeit: Auch die ehrenamtlichen „Kellner“ sind männlich. Frauen sind nur zu sehen, wenn um Punkt 22 Uhr die Lichter im Saal angehen und die Herren hinauskomplimentiert werden: Dann stehen sie vor der Tür, um ihre angeschlagenen Ritter nach Hause zu chauffieren.